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Im Alter zu Hause
wohnen
Es ist eine Tatsache,
dass wir, so lange es geht, in unseren eigenen vier Wänden wohnen
möchten. Nun treten mit zunehmenden Alter bei fast jedem
Einschränkungen der Mobilität auf, die das Leben mehr oder weniger
stark beeinflussen. Die Knie schmerzen, die Hüfte lahmt und der
Kreislauf schlägt dem einen und der anderen manchmal ein
Schnippchen.
Wie schön wäre es, wenn
sie nun eine alten- und behindertenfreundliche Wohnung hätten. Eine
Wohnung in der sie selbst bestimmt wohnen, Informationen erhalten,
ein Nachbar oder eine Nachbarin sie kennt und wo sie zum
gemütlichen Beisammensein nicht weit laufen müssen.
Auf Anregung von Josef
Indenhuck, dem Vorsitzenden der Behindertensportgemeinschaft
Ratingen e.V., wurde die "Wohnanlage Klompenkamp" im
Herbst 1998 fertiggestellt.
Die "Assistenz"
übernahm das Deutsche Rote Kreuz Ratingen in Kooperation mit der
Behindertensportgemeinschaft.
Der fachliche Begriff
für diese Art der Betreuung ist:
Wohnen mit
Ansprechpartner und externen Serviceangeboten.
Das DRK nennt dies kurz
"Wohnen mit Assistenz", da keine Betreuung und Pflege
bereitsteht, sondern folgende niederschwellige Angebote organisiert
werden:
-
Regelmäßige
Beratungsstunden
-
Hausbesuche auf
Anfrage
-
Beratung in
persönlichen und sozialen Angelegenheiten
-
Hilfe bei Behörden
-
Vermittlung von
Krankenhilfe/-pflege
-
Vermittlung
vorübergehender Hilfe
-
Hilfe bei
Krankenhausaufenthalt
-
Hilfe bei
erforderlicher werdender Übersiedlung in ein Pflegeheim
-
Hilfe bei der
Kontaktpflege und gemeinsame Veranstaltungen im
Gemeinschaftsraum
-
Vermittelung
seelsorgerischer Betreuung auf Wunsch im Einzelfall
Dieses relativ neue
Aufgabenfeld der Sozialarbeit des DRK Ratingen wird nun durch ein
ähnliches Angebot in der Wohnanlage "Calor-Carré"
erweitert. Das dort angebotene "Wohnen PLUS" wird durch
das DRK Ratingen, als Kooperationspartner der Firma "pedus
service", besonders in den Bereichen Information, Kommunikation
und Bildung ergänzt.
Diese Formen des
"Wohnen im Alter" sind zukunftsweisend. Fachleute und
-verbände sind sehr an den entsprechenden Konzeptionen und
Erfahrungen interessiert und oft Gast des DRK in Ratingen.
Trotz Handicap mobil
Viele
mobilitätseingeschränkte Menschen können sowohl den Öffentlichen
Personennahverkehr (ÖPNV) als auch die Taxen nur mit sehr vielen
Schwierigkeiten oder gar nicht nutzen. Dies bedeutete für viele
Menschen mit Behinderungen bis Mitte der siebziger Jahre einen
absoluten Verzicht auf die Teilnahme am öffentlichen Leben.
Der Vorsitzende des
"Freundeskreises für Rollstuhlfahrer", Hans Rosendahl,
wollte sich mit diesem Zustand nicht zufrieden geben. Er überlegte
zusammen mit einigen Helfern des DRK Ratingen, wie ein
"Behindertentaxi" in Ratingen eingerichtet werden könnte.
In einigen Städten der
Bundesrepublik liefen bereits Pilotprojekte, die jedoch nicht auf
andere Städte übertragbar waren. Also wurde ein eigenes Konzept
erstellt. Im Jahr 1975 begannen die Vorbereitungen. Ein vorhandener
Mannschaftswagen wurde in Eigenarbeit umgebaut und mit zwei
Holzschienen als Rampe, den erforderlichen Halterungen und einem
Funkgerät ausgestattet, rechtliche Vorgaben geklärt und die
personellen Kapazitäten ermittelt und festgelegt. Bei der bereits
bekannten Nachfrage war klar, dass dieser zusätzliche Dienst nicht
ausschließlich mit ehrenamtlichen Kräften aufgebaut werden konnte,
also wurden zwei Zivildienstleistende (ZDL) beantragt und durch das
Bundesamt für Zivildienst bewilligt.
Der Probelauf wurde vom
27. Juli bis 31. Dezember 1977 im Auftrag und auf Kosten der Stadt
Ratingen durchgeführt. Dieses neue soziale Angebot in Ratingen fand
bei den behinderten Menschen, besonders bei den Rollstuhlfahrern,
schnell großen Anklang. Die Auswertung des Probelaufes, an dem
insgesamt 468 behinderte Menschen (im Monat ca. 78) teilnahmen
ergab, dass hier eine Lücke im Bereich der Teilnahme am
öffentlichen Leben geschlossen werden konnte.
Der Ausschuss für
Soziales und Gesundheit der Stadt Ratingen beauftragte nach dieser
positiven Auswertung das DRK Ratingen, diesen Beförderungsdienst ab
1. Januar 1978 als feste soziale Einrichtung in Ratingen
durchzuführen. Die Beförderungsrichtlinien wurden abgestimmt und
eine Kostenbeteiligung mit der Stadt vereinbart. Damit war Ratingen
die erste Stadt in ihrer Größenordnung, die einen
"Behindertenfahrdienst" anbieten konnte.
Die "Aktion
Sorgenkind" stellte dem DRK Ratingen im August 1978 das erste
professionelle Fahrzeug mit einem "Hub-Schwenk-Lift" zur
Verfügung.
Die Zuständigkeit für
den BFD ging dann entsprechend der Bestimmungen des
Bundessozialhilfegesetzes (BSHG) auf den Kreis Mettmann über. Die
von dort erstellten Kreisrichtlinien wurden unter Einsatz von
Mitteln der Ortsvereins immer zu Gunsten der Fahrdienstteilnehmer
erweitert.
Es sind fast 25 Jahre
vergangen. Die Bemühungen der Betreiber, den Öffentlichen
Personennahverkehr (ÖPNV) behindertengerecht auszubauen wurden
intensiviert, führten bisher jedoch zu keinem zufriedenstellenden
Ergebnis., sodass auf den BFD weiterhin nicht verzichtet werden
kann. Heute werden durchschnittlich 4500 Fahrten im Jahr mit ca.
80.000 km durchgeführt. Dazu stehen drei Fahrzeuge, drei
Zivildienstleistende, einige ehrenamtliche Helfer/innen und ein
hauptamtlicher Mitarbeiter zur Verfügung.
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